How to be a „Rampensau“ oder: Die Prise R’n’R in meinem Leben…

Eigentlich fällt es mir nie allzu schwer, einen kleinen Blog Beitrag zu schreiben, aber wenn es in diesem um mich selbst geht, dann weiss ich nie, wie ich anfangen soll. Eigentlich wollte ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Wer bin ich, wie kam ich zur Musik, wie knüpfe ich Kontakte zu Musikern usw.

Selbstdarstellung ist das Zauberwort. Jeder, der in der Öffentlichkeit steht – egal ob Politiker, Musiker, Blogger oder was auch immer: Man muss eine Rampensau sein. Man muss sich verkaufen können. Wieso ist man so toll? Wieso soll man ausgerechnet ihn/sie wählen, hören, lieben oder was weiss ich noch. Wer nichts von sich preisgibt, der wird nur schwer Fans oder Anhänger finden. Zeigt was Ihr habt, wer ihr seid und was Ihr in Eurem Leben erreicht oder getan habt. Meine Liebe zur Musik, was heisst es, ein Fan zu sein – bei mir ging das alles schon recht früh los.

Die Prinzen - Saarbrücken Saarlandhalle 1993
Die Prinzen – Ticket, Saarbrücken Saarlandhalle 1993

Eigentlich war alles anfangs recht langweilig. Ich war schon immer ein riesiger Musik Fan und habe mit Bands wie „Roxette“ und „New Kids On The Block“ angefangen, weil es fast jeder in meinem Alter hörte. Später wurden es dann „Die Prinzen“ – ich war sehr jung und Typen wie Tobias Künzel fand ich total super. Also nichts wie los: 1993 besuchte ich dann mit Schulfreunden und deren älteren Geschwistern mein erstes Konzert (siehe Konzertticket). Es folgten weitere Konzerte meiner Lieblingsband, die ich mit meiner besten Freundin besuchte und auch jedes Mal danach brav auf die Band wartete, um ein Autogramm zu erhaschen. Leider waren wir mit unseren 15 Jahren immer zu jung, um zu einer After-Show-Party „plus“ eingeladen zu werden. Ausserdem warteten auch immer meine Eltern draussen, um uns abzuholen. Bei Radio oder TV-Terminen warteten wir auch gerne mal vor dem Hotel, aber meist huschten die Jungs dann schnell in den Bus – man hatte ja keine Zeit. Gerade mal ein zähes Lächeln war drin. Gut, dann soll es eben nicht sein und wir gingen wieder.

Das waren meine ersten Erlebnisse als „Fan“ einer Band. Und auch wenn es eine deutsche Band ist, war sie in den 90ern so erfolgreich, dass die Jungs immer total busy waren und abgeschottet wurden. Wenn man dann irgendeinen Busfahrer angequatscht hatte wegen einem Autogramm, dann bekam man nur eine dieser vorgedruckten „unechten“ Karten in die Hand gedrückt. Solche Karten habe ich nie wieder gesehen. Diese Erlebnisse haben mich offensichtlich so geprägt, dass ich bis heute eher ungern nach Autogrammen frage. Aber leider ist das oftmals der einzige Weg, ein wenig an eine Band heran zu kommen oder auf sich aufmerksam zu machen.

1997 stieß ich dann durch Freunde auf die fränkischen Blödelbarden von J.B.O. – wen ich da immer ziemlich gut fand, muss ich an dieser Stelle leider verschweigen – aus Gründen 😉 „Fan mit Leib und Seele“, so könnte man das bezeichnen, was ich damals zelebriert habe. Das war auch das erste Mal, dass ich Mitglied in einem Fanclub wurde. 2000 besuchte ich dann sogar mein erstes Fanclubtreffen in der Heimatstadt der Band. An dem besagten Tag erhoffte ich mir natürlich, die Band näher kennen zu lernen. Da ich allerdings meinen Mund nicht auf bekam, wurde daraus nicht wirklich etwas. Auf einen schüchternen Versuch ein Gesprächsthema zu finden, bekam ich dann eine „nett gemeinte“ verbale Ohrfeige – ausgerechnet vom Objekt meiner Begierde. War wohl nichts! Die nächsten Fanclubtreffen liefen nicht wesentlich anders und so beschloss ich, meinem Favoriten einfach Mails zu schreiben (die ich immer noch besitze und bei denen mir schlecht wird, wenn ich sie heute lese) und bei der offiziellen J.B.O. Fanseite ein wenig helfen zu wollen. Ich beantwortete Fanfragen, war im Chat unterwegs und wurde immer bekannter bei Band, Webmaster und Fans. So dauerte es auch nicht lange, bis ich mir meine ersten Neider eingefangen hatte. Meist waren es weibliche „Groupies“, die mich unbedingt rausekeln wollten. Lügengeschichten, Anfeindungen und weitere charmante Aktionen waren das Ergebnis, was mich damals ziemlich fertig machte. Durch meine Tätigkeit auf der Fanseite, rutschte ich auch zu venue music rüber – das Music Webzine, was ich (wenn auch aktuell eher seltener) zusammen mit Carsten Dobschat leite. So kam ich auch an meine ersten Foto-Akkreditierungen – unter anderem natürlich für J.B.O. (was trotz allem nicht immer so einfach war) und meine erste Herausforderung: Die Toten Hosen.

Cover: J.B.O. - Biographie des Blödsinns
Cover: J.B.O. – Biographie des Blödsinns

Durch venue music kam ich auch an Interviews mit eher unbekannten und auch bekannten Künstlern ran, lernte einige von ihnen näher kennen und einige haben sich im Laufe der Jahre zu echten Freunden entwickelt. Bei J.B.O. wurde ich immer mehr integriert, fuhr einige Male mit auf Tour (für Tourfotos und Promotion), lernte Supportbands wie Kissin‘ Dynamite oder Beatallica kennen und lieben, war am Promo-Konzept des „Killeralbums“ 2011 beteiligt (welches Platz 3 der Charts erreichte) und schrieb durch einen eher lustigen Zufall die offizielle Biographie der Band. Also war ich Anfang 2011 in Erlangen unterwegs, um Interviews mit der Band zu führen, in den Fotoarchiven zu wühlen, Videos anzuschauen und natürlich am Buch zu schreiben. Das Summer Breeze Festival am Tag der VÖ nahm ich dann auch noch mit und das wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis, weil ich mich überall frei bewegen konnte – egal ob Bühne, Bandshuttle, Backstage, als Presse-Begleitung für die Band oder auch im Fotopit. Tage später ging es dann noch zur großen Autogrammstunde in einen bekannten Elektronikmarkt. Im November 2011 standen Carsten und ich mit Vito und Wolfram auf der Bühne der Popakademie in Mannheim, um ein wenig aus dem Buch vorzulesen – begleitet von witzigen Kommentaren der Musiker, die sich das Lachen oftmals nicht verkneifen konnten.

Summer Breeze -J.B.O. - Foto: Andrea Jaeckel-Dobschat

Natürlich versuchte ich wie alle anderen damals auf eine bestimmte Art näher an die Bands ranzukommen, aber je älter ich wurde, wollte ich eher etwas Besonderes sein. Mehr eine Freundin als ein Groupie. Und in vielen Fällen ist mir das auch gelungen. Vielleicht war ich manchmal zu zurückhaltend oder zu bescheiden, aber wer weiss, wofür es gut war.

Lexxi & Ich an meinem Geburtstag 2012
Lexxi & Ich an meinem Geburtstag 2012

Bei J.B.O. veränderte sich Ende 2011 einiges und ich suchte mir ein anderes „Hobby“. Dabei stieß ich auf Steel Panther und wurde Fan. Aber auf eine andere Art. Denn dieses Mal war es wesentlich schwerer an die Jungs heran zu kommen. Erstens kommen sie aus Amerika und zweitens sind sie weltweit bekannt. Also was tun? Ich beschloss, eine Fanseite für die deutschen Fans zu bauen und besuchte im März 2012 mein erstes Konzert. Und wie ich es schon immer getan habe, wartete ich nach dem Konzert am Bus, um Autogramme und ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen. Aber statt mir einfach mein Ticket zu unterschreiben und schnell zu verschwinden, wurde ich in ein nettes Gespräch verwickelt und nach gemeinsamen Fotos gefragt. Halt – moment?! Ich dachte immer das geht andersrum? Ich dachte mir nur „Ok Jungs, mein Herz habt Ihr“ und fuhr wieder. Und mit jedem besuchten Konzert wurde es krasser. Ich wurde von der Bühne aus begrüßt, nach dem Konzert umarmt, geküsst und das netterweise genau von dem Typen, den ich mir im wahrsten Sinne „ausgeguckt“ habe. Und das ist auch genau das Bandmitglied, was nach aussen am wenigsten von sich preisgibt, oder zu dem man unheimlich schwer Kontakt aufbauen kann. Er wusste aber dennoch scheinbar immer, was ich mache – ein guter Beobachter. Und auch die Fans kamen immer mehr auf mich zu, wenn ich ein Konzert besuchte. „Hey, Du bist doch die Andrea!“ – ich wusste nie so recht, wie ich mich verhalten soll, aber gefreut habe ich mich natürlich immer sehr. Meine Fanseite wurde international, ich begann auf englisch zu schreiben und so tummelten sich auch wesentlich mehr Besucher auf der Seite. Ende Januar 2014 hatte ich die Gelegenheit, die Steel Panther Pressekonferenz in Paris zu besuchen. Wir wollten vorher noch einen Kaffee trinken und kaum verließ ich das Hard Rock Cafe, kommt ein weiblicher Fan auf mich zu und begrüßte mich mit meinem Namen. Ok, das war unglaublich geil und zugleich etwas unheimlich.

Steel Panther & meine Fotos
Steel Panther & meine Fotos

Für die folgende Deutschlandtour von Steel Panther klappte es plötzlich auch mit den Fotoakkreditierungen für drei Konzerte und sogar ein Interview mit Lexxi war drin. Ich war unvorbereitet, nervös und es war mein erstes Face 2 Face Interview in englisch, was aber gerade wegen seiner lockeren Art wirklich Spaß gemacht hat. Eine Gratwanderung zwischen der Bühnenfigur und dem Privatmensch Lexxi Foxx – deswegen bleibt die Aufnahme auch schön verschlossen bei mir 😉 Durch meine Fanseite Fanthers.com fiel es mir wesentlich leichter, an Material zu kommen und Leute kennen zu lernen. Doch irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es einem eher „peinlich“ ist, diese Fan Begeisterung weiter aufrecht zu erhalten. Denn auch wenn ich immer noch ein Fan bin, will ich mich natürlich von der „Masse“ leicht abheben. Es gibt viele nette Fans, mit denen bin ich wirklich gut befreundet – es gibt aber auch leider immer wieder welche, die mich als Konkurrentin sehen und ich bin keine, die mit Fotos ihrer erbeuteten VIP-Pässe zeigen muss, damit sie viel toller wirkt, als alle anderen. Von der Sorte gibt es leider viel zu viele und von dieser Art Fan möchte ich mich auch ganz klar abgrenzen. Ich habe für meine Akkreditierungen immer gearbeitet und habe am Ende was abgeliefert – dafür habe ich auch etwas bekommen. Und wenn ich dann jemandem schreibe, dass er von den Musikern, die ich kennengelernt habe, einer der Angenehmsten ist, dann freue ich mich natürlich, wenn ein „Thank u sweetheart“ zurück kommt. Ich finde es auch immer toll wenn die Band meine Fotos über ihre Social Media Kanäle verbreitet und irgendwie zeigt, dass sie das würdigt, was ich mache.

Ich schreibe selten über meine Erlebnisse, aber manchmal spürt man einen Drang, dass man es einfach weitererzählen möchte. Denn ich habe viel erlebt bisher und ich bin mir sicher, ich werde noch einiges erleben. Ich bin vor allem stolz drauf und egal, ob jemand diese Gratwanderung zwischen Fan und Freund verstehen kann oder nicht: Ich weiss wer ich bin und was ich will und ich bin froh über jeden lieben Freund oder Bruder, den ich auf, hinter und vor der Bühne kennengelernt habe 🙂 Ich könnte ein Buch über das schreiben, was ich erlebt habe. Denn auch wenn der Beitrag recht ausführlich geworden ist: Das ist noch lange nicht alles…

Seid stolz auf das, was Ihr bisher erreicht habt und erzählt es weiter!

 

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